Pompeji, Herculaneum und Torre Annunziata: Römisches Leben im Moment der Katastrophe
Die UNESCO fasst sieben archäologische Bestandteile in Pompeji, Herculaneum und Torre Annunziata zu einem seriellen Gut zusammen, das vom Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. geprägt ist. Dazu gehören die Städte Pompeji und Herculaneum, die Villa dei Misteri, die Villa dei Papiri sowie Villa A und Villa B in Torre Annunziata. Die Orte sind nicht austauschbar: Jeder bewahrt andere Maßstäbe und Formen römischen Lebens.
Pompeji vermittelt das umfassende Stadtbild. Das ausgegrabene Areal umfasst 44 Hektar mit Forum, öffentlichen Bauten, Thermen, Theatern, Amphitheater, Geschäften, gepflasterten Straßen und zahlreichen Graffiti. Herculaneum ist kleiner, bewahrt durch die anders wirkenden pyroklastischen Materialien jedoch Stadtviertel, eine Uferzone, Obergeschosse, Holzmobiliar und verkohlte Lebensmittel. Große Teile des antiken Herculaneum liegen unter der modernen Stadt und überwiegend außerhalb des Welterbegebiets. Dieser Gegensatz ist aufschlussreicher, als beide Orte einfach als gleichartige Vulkanruinen zu behandeln.
Die Villen ergänzen die Perspektive um Luxus, Handel und Eliten. Die Villa dei Misteri ist für ihre Triklinium-Malereien mit Darstellungen dionysischer Initiationsriten bekannt. Villa A in Torre Annunziata besitzt illusionistische Fresken mit Türen, Kolonnaden und Gärten; Villa B bewahrt Lager- und Handelsbereiche, die besonders mit Wein verbunden werden. Reparaturen und Umbauten vor dem Ausbruch zeigen, wie Eigentümer auf seismische, ökologische und wirtschaftliche Veränderungen reagierten. Das Gut reicht damit von öffentlichem und häuslichem Leben bis zu Handel, Repräsentation und Katastrophe.
