Canal du Midi: Ingenieurskunst als Kulturlandschaft
Der Canal du Midi verbindet Bauingenieurwesen, Verkehrsgeschichte und gestaltete Landschaft in einem bis heute betriebenen Wasserweg. Er entstand zwischen 1667 und 1694, ist 360 schiffbare Kilometer lang und umfasst 328 Bauwerke, darunter Schleusen, Aquädukte, Brücken, Überläufe und Tunnel. Sein Zweck war Teil des übergeordneten Projekts Deux-Mers, das Mittelmeer- und Atlantiksystem miteinander verbinden sollte. Für die UNESCO zählt jedoch ebenso, wie technische Innovation hier eine visuell und architektonisch geschlossene Form erhielt.
Damit unterscheidet sich die Stätte von einem einzelnen historischen Kanalbauwerk oder einem isolierten Blick auf die Wasserstraße. Sie besteht aus fünf Bestandteilen: dem Hauptabschnitt zwischen Toulouse und dem Étang de Thau bei Marseillan, dem Abschnitt mit einem Teil des Canal de la Robine, den bei Naurouze zusammentreffenden Zweigen, dem Canal de Saint-Pierre und der kurzen Verbindung bei Agde. Diese serielle Struktur erklärt, weshalb ein einzelner Kartenpunkt nicht die gesamte Stätte abbilden kann.
Besonders aufschlussreich ist das Zusammenspiel von Wasserversorgung und Ingenieurtechnik sowie die Vielfalt der Bauwerkstypen und die sorgfältige Gestaltung der Umgebung. Der Saint-Ferréol-Staudamm am Laudot in der Montagne Noire gilt als größtes Bauwerk des Kanals und als bedeutender Ort des Bauingenieurwesens seiner Zeit. Der Kanal ist weiterhin in Betrieb; zugleich stehen seine Baumreihen und die weitere Landschaft vor fortdauernden Herausforderungen des Denkmalschutzes.

