Le Havre: Wiederaufbau als geschlossenes Stadtgefüge
Le Havre verdankt seinen Welterbestatus nicht alten Einzeldenkmälern, sondern einem kohärenten Wiederaufbau nach dem Krieg. Das im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte Stadtzentrum wurde von 1945 bis 1964 unter Leitung eines Teams um Auguste Perret neu errichtet. Die UNESCO klassifiziert Le Havre nach den Kriterien (ii)(iv) als Kulturstätte und würdigt die Verbindung städtebaulicher Traditionen mit moderner Architektur, Technik und Planung.
Es geht nicht um eine lose Sammlung von Betonbauten. Das 133 Hektar große Ensemble umfasst Hauptachsen, Plätze, Gebäudegruppen und die gewöhnliche Wohnstadt mit Straßen, Durchgängen und Innenhöfen, die im Rahmen des Wiederaufbaus entstand. Auch Fragmente der älteren Stadt, erhalten gebliebene Gebäude, die von regionalen Architekten erneute Île Saint-François sowie spätere Bauten gehören dazu, soweit sie als untrennbar mit der wiederaufgebauten Stadt gelten.
Die ordnenden Mittel erschließen das Konzept. Die Avenue Foch bildet die wichtigste West-Ost-Achse von der Porte Océane in Richtung Place Saint-Roch und Hôtel de Ville; der Boulevard François Ier kreuzt sie im Winkel von 45 Grad. Die Porte Océane erinnert an ein früheres Stadttor und diente zugleich als Erprobungsfeld für neue Bauweisen. Das Rathaus mit seiner langen Fassade und dem Turm verankert den Entwurf. Vorfertigung, sichtbar belassene Stahlbetonstrukturen und ein quadratisches Modul von 6,24 Metern schaffen Ordnung, ohne Gleichförmigkeit zu erzeugen. Le Havre wurde 2005 eingetragen.

