Nizza: die Riviera-Stadt für den Winteraufenthalt
Nizza erzählt als Welterbestätte die Entstehung einer Resortstadt. Zwischen Mittelmeer und Bergen entwickelte sich die Stadt mit dem Aufkommen des Wintertourismus, besonders durch britische Gäste, und mit der gezielten Erschließung von Vierteln außerhalb der mittelalterlichen Stadt. Die UNESCO klassifiziert die Stätte nach Kriterium (ii) als Kulturstätte und würdigt die Verbindung britischer, italienischer, französischer, russischer und weiterer Einflüsse. Nizza wurde 2021 eingetragen.
Die Auszeichnung gilt daher nicht nur der Promenade des Anglais und auch nicht einer bloßen Ansammlung von Belle-Époque-Fassaden. Sie dokumentiert mehrere Planungsphasen, darunter die Arbeit des 1832 gegründeten Consiglio d’Ornato, sowie die daraus hervorgegangene Stadtstruktur. Hotels für Reisende, Villen und saisonal vermietete Wohnungen dienten ausländischen Bewohnern. Importierte Stilrichtungen – Neoklassizismus, Historismus, Eklektizismus, Belle Époque, Neokolonialismus, Regionalismus und Art déco – wurden mit lokalen Bauweisen und Dekorationshandwerken neu interpretiert.
Aussagekräftig sind die Beziehungen zwischen den Elementen: das zum Meer geöffnete Amphitheater, die Ausblicke auf Hügel und Wasser, Promenaden wie die Terrasse des Ponchettes und ein Straßenraster, das nach Süden gerichtete Fassaden sowie Raum für Gärten und akklimatisierte Pflanzen schafft. Der historische Rahmen endet mit der bis 1939 repräsentierten Winterkurort-Phase. Nach dem Zweiten Weltkrieg löste der Sommertourismus die Wintersaison ab. Deshalb ist nicht ganz Nizza der eingetragenen Resortlandschaft gleichermaßen zuzurechnen.

