Taputapuātea: Marae, Lagune und Inselgeschichte
Taputapuātea auf Raiatea ist eine Kulturlandschaft und Meereslandschaft, keine isolierte Zeremonialruine. Die 2017 nach den Kriterien (iii) und (iv) eingetragene Kulturstätte liegt im Polynesischen Dreieck und umfasst zwei bewaldete Täler, einen Teil einer Lagune und eines Korallenriffs sowie einen Streifen offenen Ozeans. Im Zentrum steht der Marae-Komplex Taputapuātea, der politische, zeremonielle, funeräre und religiöse Funktionen erfüllte. Für das Verständnis der Stätte ist ihre Lage zwischen Land und Meer entscheidend.
Marae sind heilige zeremonielle und soziale Orte; auf den Gesellschaftsinseln bestehen sie aus gepflasterten viereckigen Höfen mit einer rechteckigen Ahu-Plattform. Taputapuātea selbst, dem Gott ’Oro geweiht, verkörpert die Begegnung der Welt der Lebenden, Te Ao, mit den Ahnen und Göttern, Te Po, und verweist zugleich auf politische Beziehungen. Zum weiteren Umfeld gehören ein heiliger Riffpass, der Lebensraum von Seevögeln auf dem Atāra-Motu sowie die bewaldeten Täler von ’Ōpo’a und Hotopu’u. Dort haben sich ältere Marae, landwirtschaftliche Terrassen und Siedlungsspuren erhalten. Der Ort erschließt sich daher nicht über sichtbare Steinbauten allein. Er dokumentiert außerdem Meeresnavigation, den Bau von Auslegerkanus, Bündnisse zwischen Inseln und den sozialen Gegensatz zwischen Bauern im Hochland sowie Küstenhäuptlingen, Kriegern und Priestern.

