Via Appia. Regina Viarum: Roms Straße als Kultursystem
Die Via Appia. Regina Viarum bewahrt mehr als die Erinnerung an eine berühmte Römerstraße. Ab 312 v. Chr. angelegt und über mehr als 800 Kilometer geführt, verband sie zunächst Rom auf direktem Weg mit Capua, später auch mit Beneventum, Tarentum und Brundisium. Nach der Stabilisierung eroberter Gebiete diente die Route Handel, kulturellem Austausch und Landwirtschaft und förderte das Wachstum von Städten und neuen Siedlungen.
Ihr aussagekräftigster Bestand ist infrastruktureller Natur. Die serielle Stätte umfasst 19 Bestandteile: Fahrbahnen, Entwässerungs- und Landgewinnungsarbeiten, Brücken, Kanäle, Aquädukte, öffentliche Brunnen und weitere technische Anlagen ebenso wie Triumphbögen, Thermen, Amphitheater und Basiliken. Meilensteine kennzeichneten Entfernungen, Brunnen versorgten Menschen und Tiere, und Raststationen entwickelten sich zu Haltepunkten. Nekropolen, Gräber und Heiligtümer zeigen außerdem, wie die Straße das Leben rund um die Städte ordnete.
Der Pin steht deshalb nicht für ein einzelnes römisches Monument, sondern für eine über viele Orte verteilte Welterbestätte. Die 109 n. Chr. eröffnete Via Traiana ist im vorliegenden UNESCO-Kontext als Verlängerung enthalten, die Beneventum und Brundisium an der Adriaküste leichter verband. Über die folgenden Jahrhunderte blieb die Straße für Dörfer, Pilger und andere Reisende bedeutsam. Die 2024 nach den Kriterien (iii) und (iv) eingetragene Kulturstätte lässt sich am besten über das Verhältnis von Straßenkörper, begleitender Infrastruktur und den entlang der Route entstandenen Gemeinschaften verstehen.
