Castel del Monte: Friedrichs II. oktogonale Vision
Castel del Monte verbindet mittelalterliche Architektur mit Geometrie, Symbolik und kulturellen Einflüssen. Kaiser Friedrich II. ließ die Burg nahe Andria errichten; 1240 war sie vollendet. Sie steht auf einem felsigen Hügel über der Landschaft der Murgia, unweit der Adriaküste. Der Standort ist kein Zufall: Die UNESCO hebt die regelmäßige Anlage sowie ihre mathematische und astronomische Präzision als Ausdruck der geistigen und kulturellen Vorstellungen des Bauherrn hervor.
Das bestimmende Motiv ist das Oktogon, an dessen Ecken jeweils ein achteckiger Turm steht. Diese strenge Form unterscheidet Castel del Monte deutlich vom herkömmlichen Bild einer Burg und macht die architektonische Ordnung zum Schlüssel für das Verständnis des Bauwerks. Zugleich vereint das Monument nach UNESCO-Auffassung Elemente der klassischen Antike, des islamischen Orients und der nordeuropäischen Zisterziensergotik. Östliche Einflüsse zeigen sich unter anderem in der innovativen Wasseranlage, die mit den Badetraditionen Friedrichs II. verbunden wird. Seine übergreifende Bedeutung liegt in der Verbindung nordeuropäischer, muslimischer und klassischer Traditionen.
Burg und Landschaft gehören zusammen. Das Bauwerk wurde baulich kaum grundlegend verändert; seine ursprüngliche oktogonale Gestalt, die Innenaufteilung und die Außenverkleidung aus Kalkstein sind erhalten. Die Marmor- und Mosaikausstattung im Inneren ist dagegen beschädigt oder entfernt worden – auch diese Verluste gehören zur Geschichte der Erhaltung. Die geschützte Landschaft um die allein stehende Höhenburg bewahrt ihren räumlichen Zusammenhang. Castel del Monte wurde 1996 als Kulturerbestätte nach den Kriterien (i), (ii) und (iii) eingetragen.
