Das Loiretal: Fluss, königliche Landschaften und bewohntes Erbe
Das Loiretal zwischen Sully-sur-Loire und Chalonnes steht für eine weiträumige Kulturlandschaft, die aus dem Zusammenspiel von Loire, ihren bewässerten Flächen und den dort lebenden Menschen hervorging. Die 2000 nach den Kriterien (i)(ii)(iv) eingeschriebene Stätte folgt einem 280 Kilometer langen Abschnitt des Mittellaufs durch Centre-Val de Loire und Pays de la Loire. Sie umfasst das Flussbett ebenso wie die Überschwemmungsflächen – nicht lediglich eine Reihe von Schlössern.
Die Identität des Tals ist vielschichtig. Von der gallorömischen Zeit bis ins 19. Jahrhundert diente die Loire als Verkehrs- und Handelsachse; Häfen und Deichsysteme zeugen von Versuchen, den Fluss zu nutzen und Hochwasser zu kontrollieren. Gemüsegärten, Weinberge, Dörfer, Höfe und Städte zeigen, wie er die ländliche und städtische Ordnung prägte. Tuffstein- und Schieferarchitektur sowie Höhlenwohnungen verleihen der Landschaft konkrete Eigenheiten, die über eine reine Schlösserroute hinausweisen.
Schlösser wie Chambord, Chenonceau, Amboise, Blois und Azay-le-Rideau gehören zu einer Geschichte, in der Burgen und Abteistätten in Renaissance-Landsitze mit Gärten und Ausblicken auf das Umland verwandelt wurden. Romanische Kirchen, etwa Saint-Benoît-sur-Loire und Fontevraud, ergänzen diese Schichten. Das Tal ist weiterhin bewohnt und bewirtschaftet und wird von zahlreichen öffentlichen und privaten Eigentümern sowie verschiedenen Denkmal-, Umwelt- und Stadtplanungsregelungen geprägt. Veränderungen in der Landwirtschaft, Siedlungsdruck und größere Bauvorhaben gelten als Belastungen; die Landschaft ist kein statisches Freilichtmuseum.

