Pontcysyllte: ein Kanal, der durch die Luft führt
Pontcysyllte Aqueduct and Canal ist eine 18 Kilometer lange Wasserstraße, deren Bedeutung in einem vollständigen Ingenieurkonzept liegt und nicht in einer isolierten Brücke. Im Nordosten von Wales überquert der Kanal schwieriges Gelände ohne Schleusen. Dafür waren Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts kühne Lösungen des Wasser- und Brückenbaus nötig. Die wachsende Transportkapazität verknüpft die Anlage unmittelbar mit der Industriellen Revolution.
Das Aquädukt ist das prägende Bauwerk. Thomas Telford entwarf es mit Metallbögen, die von hohen, schlanken Pfeilern aus Mauerwerk getragen werden. Gusseisen und Schmiedeeisen ergeben eine Konstruktion, deren Bögen leicht wirken und deren Gesamtwirkung dennoch monumental ist. Genau diese Verbindung unterscheidet Pontcysyllte von einem gewöhnlichen Kanalbesuch: Gegenstand ist die Wasserstraße selbst mit ihrer hydraulischen Funktion und ihren Ingenieurbauten, nicht bloß die Landschaft ringsum.
Die Stätte wird weiterhin genutzt. Bei der Reparatur historischer Dämme kamen moderne technische Lösungen zum Einsatz, während Morphologie und Betrieb des Kanals insgesamt bewahrt wurden. Der Treidelpfad ist begehbar; Bootsausflüge müssen separat gebucht werden. Ruabon ist der nächstgelegene praktische Bahnknoten, anschließend geht es per Bus oder Taxi weiter. Für den geprüften Besucheranker reicht ein halber Tag. Das Aquädukt sollte dabei als Teil des längeren Kanalensembles und nicht nur als einzelner Aussichtspunkt gelesen werden.
