Saltaire: ein planmäßig angelegtes Industriedorf
In Saltaire wird die UNESCO-Bedeutung unmittelbar am Verhältnis von Industrie, Wohnraum und bürgerlicher Infrastruktur sichtbar. Das Dorf am River Aire in West Yorkshire bewahrt einen geschlossenen städtebaulichen Plan aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Salt’s Mill und New Mill, Arbeiterwohnungen, öffentliche Gebäude und Roberts Park bilden eine zusammenhängende Siedlung – nicht bloß das Überbleibsel eines einzelnen Industriebetriebs.
Kennzeichnend sind die Vollständigkeit und die klare Hierarchie des Ortes. Dining Room, Congregational Church, Almshouses, Hospital, School und Institute liegen neben Wohn- und Mühlengebäuden. Sie spiegeln den philanthropischen Ansatz industrieller Betriebsführung und die Bedeutung der Textilproduktion für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Der Siedlungsplan beeinflusste spätere Industriesiedlungen und die Gartenstadtbewegung; Saltaire ist deshalb mehr als ein Ensemble erhaltener Fassaden.
Saltaire sollte nicht mit einem vom Alltag abgekoppelten Freilichtmuseum verwechselt werden. Behutsame Sanierung hat den Komplex als lebendige Gemeinschaft erhalten, auch wenn die Mühlentechnik nach dem Ende der industriellen Nutzung Mitte der 1980er-Jahre entfernt wurde. Der Bahnhof liegt im Modelldorf und macht Saltaire zu einer der am einfachsten per Bahn erreichbaren Stätten dieser Karte. Planen Sie zwei bis vier Stunden ein; die meisten Straßen sind frei zugänglich, einzelne Einrichtungen sollten jedoch geprüft werden.
