Champagnerhänge: Weinberge, Keller und Handel
Die „Champagne Hillsides, Houses and Cellars“ dokumentiert eine vollständige Produktionslandschaft und nicht lediglich ein Weinbaugebiet. Die serielle UNESCO-Stätte umfasst 14 Bestandteile in drei Ensembles: die historischen Weinberge von Hautvillers, Aÿ und Mareuil-sur-Aÿ, den Hügel Saint-Nicaise in Reims sowie die Avenue de Champagne mit Fort Chabrol in Épernay. Gemeinsam veranschaulichen sie Anbaugebiet, Produktionsorte und Handelszentren der Champagne.
Die Struktur bewahrt vor einem verbreiteten Missverständnis: Die Stätte ist weder ein einzelner Weinberg noch eine bloße Ansammlung von Verkostungszielen. Ihre Bedeutung liegt im funktionalen Zusammenhang von Kreideböden, Hangdörfern, Vendangeoirs, unterirdischen Kellern, Champagnerhäusern und Handelswegen. Das Verfahren zur Herstellung von Schaumwein durch eine zweite Gärung in der Flasche entwickelte sich hier ab dem frühen 17. Jahrhundert und ging im 19. Jahrhundert in Richtung Industrialisierung. Zur Entwicklungsgeschichte gehören auch der Beitrag von Frauen sowie britischer und deutscher Akteure.
Aufschlussreich ist der Gegensatz zwischen sichtbarem und verborgenem Erbe. Weinberge und repräsentative Stadtarchitektur verkörpern die öffentliche Seite der Produktion; ehemalige gallorömische und mittelalterliche Kreidebrüche sowie eigens angelegte Keller bilden eine unterirdische Landschaft. Die Stätte erzählt außerdem von sozialem und städtebaulichem Wandel, etwa durch die Gartenstadt Chemin Vert in Reims. Dörfer, Parzellen und Baubestand sind weitgehend erhalten; der Hügel Saint-Nicaise hat seine Funktion nach der Restaurierung bewahrt.

