Jakobswege: eine weit verstreute Pilgerlandschaft
Die französischen Jakobswege stehen für ein sorgfältig ausgewähltes Netz, nicht für eine einzige Straße oder einen einzelnen Wallfahrtsort. Die UNESCO nahm die „Wege der Jakobspilger in Frankreich“ 1998 als serielle Kulturstätte nach den Kriterien (ii), (iv) und (vi) auf. Vier symbolische Routen beginnen in Paris, Vézelay, Le Puy und Arles und überqueren anschließend die Pyrenäen; insgesamt umfasst die Eintragung 78 Bestandteile. Die weite geografische Verteilung ist somit ein Kernmerkmal des Datensatzes.
Die Bestandteile machen sowohl die geistliche als auch die praktische Seite des Reisens sichtbar: bedeutende Kirchen wie Saint-Sernin in Toulouse und die Kathedrale von Amiens, kleinere Heiligtümer, Hospitäler, Brücken und Wegkreuze. Das alte Pilgerhospital von Pons und die Pilgerbrücke über die Boralde zeigen, wie Fürsorge, Weg und Frömmigkeit zusammenwirkten. Ebenfalls einbezogen sind sieben Abschnitte des Chemin du Puy mit einer Gesamtlänge von fast 160 Kilometern. Anders als bei einer gewöhnlichen Fernwanderroute handelt es sich nicht um einen durchgehend ausgewiesenen Weg; viele Bestandteile sind Monumente oder Ensembles, die an das größere Netz erinnern. Architektur organisierte Bewegung, Rast und Betrachtung, während Skulpturen und Malereien die Verbindung zu Jakobus bewahren. Die meisten Sakralbauten stehen weiterhin unter der Obhut ihrer Eigentümer und unterliegen Schutzmaßnahmen für das Kulturerbe.

