Die Dolomiten: Kalktürme, Gletscher und tiefe Erdgeschichte
Die Dolomiten gehören wegen ihrer Naturwerte auf diese Karte – nicht allein, weil sie ein eindrucksvolles Bergreiseziel sind. Die 2009 nach den Kriterien (vii) und (viii) eingetragene serielle Stätte umfasst neun Gebiete in den nördlichen italienischen Alpen. Ihre 18 Gipfel ragen auf einer Fläche von 141.903 Hektar über 3.000 Meter empor. Prägend ist jedoch das Zusammenspiel aus hellem, senkrechtem Fels, Wäldern, Wiesen, Schluchten und weiten Bergpanoramen.
Die Besonderheit gegenüber einem einzelnen Aussichtsberg liegt in der Dichte und Vielfalt der erdgeschichtlichen Zeugnisse. Zinnen, Nadeln, Türme, Felsbänder, Plateaus, glaziale Formen und Karstsysteme dokumentieren Erosion, Tektonik und Vergletscherung. Manche Felswände steigen mehr als 1.500 Meter auf. Der Kalkstein bewahrt außerdem mesozoische Karbonatplattformen, als versteinerte Atolle beschriebene Strukturen, Fossilien und international bedeutende stratigrafische Profile der Trias. Die sichtbare Landschaft wird so mit der Evolution des Meereslebens verbunden.
Auf der Karte sollten die Dolomiten als zusammenhängendes serielles System und nicht als einzelner Aussichtspunkt oder Ort gelesen werden. Naturprozesse wie Erdrutsche, Überschwemmungen und Lawinen sind weiterhin aktiv. Zur Stätte gehören Teile eines Nationalparks, mehrerer Naturparks, Natura-2000-Gebiete und eines Naturdenkmals. Pufferzonen und eine gemeinsame Verwaltung in fünf Provinzen schützen die Beziehung zwischen den neun Komponenten.
