Paduas Freskenzyklen: ein stadtweites Experiment mit dem Bildraum
Padua’s fourteenth-century fresco cycles steht für eine miteinander verbundene künstlerische Entwicklung, nicht für eine einzelne Kapelle. Die serielle Kulturstätte wurde 2021 nach Kriterium (ii) eingetragen. Sie umfasst acht religiöse und weltliche Gebäudekomplexe, die innerhalb der historischen, von Mauern umgebenen Stadt in vier Bestandteilen gruppiert sind. Die Fresken entstanden zwischen 1302 und 1397 im Auftrag verschiedener Mäzene und in Bauten mit unterschiedlichen Funktionen.
Die Scrovegni-Kapelle von Giotto ist nur ein Teil dieser Geschichte. Hinzu kommen Zyklen von Künstlern wie Guariento di Arpo, Giusto de’ Menabuoi, Altichiero da Zevio, Jacopo Avanzi und Jacopo da Verona. Ihre Werke zeigen Experimente mit Perspektive und Trompe-l’œil sowie neue Formen, individuelle Gefühle und Emotionen darzustellen. Auftraggeber traten zunehmend selbst in den Szenen auf; sakrale Kunst konnte zugleich Ansehen und Macht herrschender Autoritäten und Adelsfamilien ausdrücken.
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich: Trotz verschiedener Künstler, Auftraggeber und Räume bewahren die Zyklen eine stilistische und inhaltliche Einheit. Sie machen den Austausch zwischen Wissenschaft, Literatur und bildender Kunst im vorhumanistischen Padua nachvollziehbar. Damit ist die Stätte mehr als ein Besuch bei Giotto. Die Fresken sind untrennbar mit Innenräumen, Bildträgern, Putz, Pigmenten und Bindemitteln verbunden. Die vier Bestandteile sollten einzeln geprüft werden; an Erhaltung und Eigentum sind die Stadt Padua, das Ministerium für Kultur und die Universität Padua beteiligt.
