Ferrara: Renaissanceplanung zwischen Stadt und Po-Delta
Ferraras UNESCO-Bedeutung verbindet Stadtgestaltung mit der umgebenden Landschaft. Die Stätte besteht aus zwei Bestandteilen: dem historischen Stadtkern und angrenzenden Agrarflächen im Po-Delta. Unter der Familie Este entwickelte sich Ferrara von einem bedeutenden mittelalterlichen Zentrum zu einer geistigen und künstlerischen Hauptstadt. Straßen, Mauern, Paläste, Kirchen und Gärten wurden als Elemente eines übergeordneten Entwurfs angelegt und nicht als voneinander unabhängige Monumente.
Kennzeichnend ist die geplante Erweiterung durch Biagio Rossetti. Die ab 1492 entwickelte Addizione Erculea brachte architektonische Form und Volumen mit Freiräumen, lokalen Traditionen und den Bedürfnissen der Stadt in ein perspektivisches Gleichgewicht. Ferrara unterscheidet sich damit von der konzentrierten Kunstlandschaft von Florenz oder dem Palastviertel von Genua. Im Zentrum steht die Frage, wie eine Renaissance-Stadt bewusst strukturiert wurde und wie harmonische Stadträume wichtiger wurden als die isolierte Wirkung einzelner Gebäude.
Das Po-Delta setzt diese Planung außerhalb der Mauern fort. Zwischen dem vierzehnten und sechzehnten Jahrhundert entwässerten die Este Sumpfland, legten Wasserwege und Straßen an, gründeten Landgüter und errichteten die als delizie estensi bekannten Adelssitze. So entstand eine neue Agrarlandschaft, die höfische Macht mit dem Umland verband. Der Dom San Giorgio, das Castello Estense und die erweiterten Befestigungsmauern gehören zur städtischen Geschichte. Vollständig verständlich wird die Stätte jedoch erst durch ihre geplante ländliche Umgebung, deren Renaissance-Struktur in der heutigen regionalen Landschaft noch erkennbar ist.
