Ravenna: acht Monumente zwischen Mosaik und Imperium
Ravenna steht auf der Karte nicht für eine einzelne Kathedrale oder Mosaiksammlung, sondern für eine zusammenhängende Gruppe aus acht Bauwerken. Gemeinsam dokumentieren sie die Rolle der Stadt als Sitz des Römischen Reiches im fünften Jahrhundert, als Hauptstadt der Ostgoten und später als Zentrum des byzantinischen Italien. Die im fünften und sechsten Jahrhundert errichteten Monumente verbinden religiöse und funeräre Architektur in einem seriellen Eintrag.
Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen den künstlerischen und politischen Zeugnissen. Das Mausoleum der Galla Placidia ist klein; seine Mosaiken leuchten vor dunkelblauem Grund und verbinden sie mit einer weströmischen Bautradition. Das Baptisterium der Orthodoxen, auch Neonisches Baptisterium genannt, vereint eingelegten Marmor, Stuck und mehrfarbige Kuppelmosaiken. Das arianische Baptisterium bewahrt Darstellungen der Taufe Christi und Details, die arianische Grundsätze spiegeln. Sant’Apollinare Nuovo, einst Theoderichs Palastkapelle, verbindet Mosaiken römischer Prägung mit byzantinischem Einfluss.
San Vitale steht für die Begegnung westlicher und östlicher Traditionen unter Justinian. Das Mausoleum Theoderichs unterscheidet sich dagegen durch seine großen Blöcke aus istrischem Stein und den zentralen Innenraum; es ist das einzige erhaltene Grabmal eines Barbarenkönigs aus dieser Zeit. Die Erzbischöfliche Kapelle ist das einzige orthodoxe Monument, das während Theoderichs Herrschaft errichtet wurde. Sant’Apollinare in Classe, fünf Kilometer von Ravenna entfernt, ergänzt das Ensemble um großzügige Innenräume, Marmor, Mosaiken und einen zylindrischen Glockenturm. Erst alle acht Bauten machen die künstlerischen Verbindungen sichtbar.
