Urbino: Renaissancehof innerhalb älterer Mauern
Urbino zeigt, wie sich der kulturelle Anspruch der Renaissance in eine befestigte mittelalterliche und römische Vorgeschichte einfügen ließ. Die Kulturstätte wurde 1998 eingetragen. Ihr ältester Kern entwickelte sich aus einer befestigten römischen Siedlung auf dem Hügel, den heute der Herzogspalast einnimmt; später dehnte sich die Stadt auf einen zweiten Hügel im Norden aus. Renaissancezeitliche Mauern mit ihren Bastionen definieren heute ein geschlossenes und einheitliches historisches Zentrum mit länglicher Kontur.
Den entscheidenden Wandel brachte Federico da Montefeltro, der von 1444 bis 1482 regierte. Sein Hof versammelte Humanisten, Mathematiker und Künstler, darunter Leone Battista Alberti, Marsilio Ficino, Luciano Laurana, Piero della Francesca und Paolo Uccello. Herzogspalast, Kathedrale, Kloster Santa Chiara und ein Netz von Oratorien bezeugen innerhalb der Mauern diese kulturelle Blüte. Die Erneuerung war tiefgreifend, ohne die übergeordnete Stadtstruktur zu zerstören.
Urbino ist kein eigens für einen Idealplatz konzipiertes Pienza. Seine Eigenart liegt darin, wie Renaissanceprojekte eine bestehende Hügelstadt besetzen und verfeinern und dabei enge mittelalterliche Straßen, räumliche Proportionen und den älteren Straßenverlauf bewahren. Wirtschaftliche und kulturelle Stagnation nach dem 16. Jahrhundert half, dieses Bild zu erhalten; selbst spätere Eingriffe ließen den Renaissanceplan trotz einiger Abrisse im frühen 19. Jahrhundert für größere Plätze und Straßen nahezu unberührt. Traditionelle Techniken und historische Materialien prägen weiterhin Pflege und Restaurierung. Nationale, regionale und lokale Regelungen schützen das Zentrum und seine Befestigungen.
