Lyon: Stadtgeschichte, Schicht für Schicht sichtbar
Lyon macht mehr als zwei Jahrtausende Siedlungsgeschichte im Stadtbild ablesbar. An der Mündung von Saône und Rhône sowie zwischen Fourvière und Croix-Rousse reicht das erhaltene Erbe vom römischen Lugdunum über mittelalterliche Gassen und Renaissancehäuser bis zu klassizistischen Bauten. Die UNESCO-Anerkennung als Kulturstätte nach den Kriterien (ii)(iv) würdigt sowohl diese Kontinuität als auch Lyons Beitrag zur Entwicklung von Architektur und Städtebau.
Die Besonderheit liegt in der räumlichen Abfolge und nicht in einem einzelnen Monument. Lyon dehnte sich schrittweise nach Osten aus, statt das Zentrum immer wieder vollständig zu überbauen. So liegen Viertel verschiedener Epochen nebeneinander – ein deutlicher Unterschied zu einer historischen Altstadt, die von einem einzigen Stil geprägt wird. Auf Fourvière lassen sich römische Überreste, mittelalterliche Straßen und Bauten wie die Manécanterie, die Abteikirche Saint-Martin d’Ainay und die Kathedrale Saint-Jean-Baptiste in Beziehung setzen. In Vieux-Lyon kommt die Renaissancearchitektur der Wohnhäuser hinzu.
An den Hängen der Croix-Rousse tritt mit den Wohnungen der Seidenarbeiter, darunter das Haus mit 365 Fenstern und der Hof der Voracious, eine andere soziale und architektonische Welt hinzu. Öffentliche Bauten wie Hôtel de Ville, Hôtel-Dieu, die Basilika von Fourvière und Tony Garniers Webereischule zeigen, wie religiöses, bürgerliches, fürsorgliches, industrielles und arbeitendes Leben die Stadt geprägt hat. Lyon wurde 1998 eingetragen. Dass die Stadt weiterhin bewohnt und weiterentwickelt wird, gehört bis heute zu ihrem Erhaltungskontext.

