Mantua und Sabbioneta: zwei Renaissance-Ideen von Stadt
Mantua und Sabbioneta veranschaulichen gemeinsam die wichtigsten Formen der Stadtplanung in der Renaissance. Die 2008 nach den Kriterien (ii) und (iii) eingetragene serielle Kulturstätte ist durch die Vorstellungen und das Wirken der Gonzaga verbunden. Sie sollte als bewusstes Vergleichspaar gelesen werden, nicht als ein Stadtzentrum mit einem ausgelagerten Monument.
Mantua ist die weiterentwickelte bestehende Stadt. Ihre Geschichte reicht bis in die römische Zeit zurück, und der unregelmäßige Grundriss zeugt von schrittweisem Wachstum. Spätere Eingriffe schufen regelmäßigere Bereiche. Im 15. und 16. Jahrhundert veränderten hydrologische Maßnahmen, städtebauliche Arbeiten und Architektur das Stadtbild. Zu den historischen Bauten gehören eine Rotunde aus dem 11. Jahrhundert und ein Barocktheater; Namen wie Leon Battista Alberti, Giulio Romano und Andrea Mantegna verbinden Mantua mit Renaissancearchitektur und -malerei.
Sabbioneta verkörpert dagegen das Gegenmodell: Vespasiano Gonzaga Colonna ließ die Neustadt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts anlegen. Ihr rechtwinkliges Raster, die Befestigung, öffentlichen Plätze und Monumente folgen einer funktionalen Vorstellung von der Idealstadt. Sabbioneta ist daher nicht einfach ein kleineres Mantua, und Mantua ist keine geplante Renaissance-Stadt im selben Sinn. Zusammen zeigen beide Orte, wie Renaissance-Ideale eine gewachsene Stadt umformen oder eine neue Stadt organisieren konnten.
